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// Augenwischerei bei der Standortwahl des 18. Gymnasiums //

Die weitere Verzögerung der Entscheidung über die Planung des 18. Gymnasiums ist ein hausgemachtes Problem. „Von Beginn an hätte die Stadt sagen können, dass es aus ihrer Sicht wegen der fehlenden städtischen Flächen keine Alternative zu diesem Standort in Bemerode gibt“, so Harald Haupt, Vorsitzender der GEW Region Hannover. Den Standort „Südwest“ wegen möglicher Lärmbelästigung zu verwerfen kann als Einladung gesehen werden, gegen den Bau der Schule zu klagen. Das würde das Planungsverfahren weiter hinauszuzögern. Baulich sollte es ein geringeres Problem sein etwas gegen den Bahnlärm zu unternehmen als gegen Pausengeräusche vom Schulhof.  

Längst geht es nicht mehr nur um diese eine Schule, die benötigt wird. Die steigende Schüler*innenzahl ist längst bekannt. „Bei der Schulentwicklung fehlt schlicht ein Gesamtkonzept“ stellt Haupt fest. Wenn schon die Planung dieser einen Schule wegen der fehlenden öffentlichen Grundstücke derart verzögert wird, dann dürfte das Problem bei den weiteren benötigten Schulen ebenso zum Tragen kommen.    

Die GEW Region Hannover stellt die Notwendigkeit eines weiteren Gymnasiums grundsätzlich in Frage. Dennoch wäre die Diskussion eines Gesamtkonzepts eine Möglichkeit, unterschiedliche Interessen in der Schulentwicklungsplanung zu berücksichtigen, um damit schneller zu einem Ergebnis zu kommen. Ein Gesamtkonzept würde im Vorfeld die weiteren Interessen von öffentlicher Bedeutung, wie z. B. Sportstätten oder in diesem Fall den Schützenplatz, einbeziehen und nicht zusätzlich für weitere Verzögerungen sorgen.   

Keine Kürzung bei der kommunalen Schulsozialarbeit! GEW kritisiert: wieder wird bei den Ärmsten gespart

Jede vierte Familie in Hannover lebt in Armut, so war es der Presse nach der letzten Schulausschusssitzung zu entnehmen. Kaum ist diese dramatische Schlagzeile verklungen, da wird eröffnet, dass bei der kommunalen Schulsozialarbeit Stellen wegfallen sollen. Die Schulen als auch die Schulsozialarbeiterinnen sind darüber „mit Bedauern“ in Kenntnis gesetzt worden. Die betroffenen Eltern sind empört! Die Schulen, die dies betrifft liegen allesamt in Stadtteilen, in denen die Kinderarmut deutlich höher ist als nur ein Viertel. „Wieder wird bei den Ärmsten gespart, obwohl Unterstützung am dringendsten benötigt wird“, empört sich Harald Haupt, Kreisvorsitzender der GEW Region Hannover. Er erinnert sich an Aussagen der Stadtverwaltung, wonach die kommunale Schulsozialarbeit nicht gekürzt werde solle, auch nicht, obwohl bekannt ist, dass sich das Land bei dieser Aufgabe stärker engagiert. „Die Zunahme der sozialen Schieflage ist bekannt, sie wird hingenommen statt etwas dagegen unternommen“, so Haupt. Seine Forderung: trotz andauernder Haushaltskonsolidierung muss der Bildungsbereich von dem Spardiktat ausgenommen werden!

Die schulische Sozialarbeit der Kommune und des Landes ergänzen sich in ihren Möglichkeiten. Es kann dabei nicht das eine Unterstützungssystem gegen das andere gestellt werden. Daher kann Haupt auch das Argument nicht nachvollziehen, dass die betroffenen Schulen auf Schulsozialarbeiter*innen des Landes zurückgreifen könnten. Die bestehenden und in vielen Jahren aufgebauten stadtteilbezogenen Netzwerke und Strukturen sind nicht einfach von heute auf morgen zu ersetzen. Haupt befürchtet, dass durch mögliche Personalwechsel diese Arbeit erst wieder neu aufgebaut werden muss.    

„Ungleiches muss ungleich behandelt werden, um soziale Nachteile auszugleichen! Das muss der Maßstab jeder politischen Entscheidung sein!“ so Haupt.

Wer kann sich ein Privatgymnasium leisten?

„Durch eine weitere Privatschule wird die Selektion an den Schulen in Hannover zusätzlich verstärkt“, so Harald Haupt, Kreisvorsitzender der GEW Region Hannover. Entsprechende Ergebnisse sind in Untersuchungen des Deutschen Instituts für Wirtschafsforschung (DIW) oder des Statistischen Bundesamts zu finden.
Die Stadt hatte beschlossen ein 18. Gymnasium zu planen, das einen inklusiven Ansatz haben soll. Sogar die Leitungen der 17 bestehenden Gymnasien stellen die Notwendigkeit eines weiteren Gymnasiums in Frage. Die GEW vertritt die Ansicht, dass die Hürde für Eltern von Kindern mit Förderbedarf ihr Kind an einem Gymnasium anzumelden schon besonders hoch ist. „Eine Privatschule setzt diese Hürde noch höher“, so Haupt.
Es ist nicht unüblich, dass freie Träger den Betrieb einer Schule beim Schulträger beantragen. Dass aber die Landeshauptstadt von sich aus die Trägerschaft vergeben will ist für Haupt ein fataler politischer Paradigmenwechsel.
„Viele Schulen stecken im Sanierungsstau, aber für eine private Schule wird ein neues Schulgebäude gezahlt“, ärgert sich Haupt. Das ist ein übles Signal an Schüler*innen, Eltern und Beschäftigte, deren Beschwerden über marode Gebäude bestenfalls auf einer Warteliste landen und erst nach Jahren beseitigt werden.
Ausgehend von der ursprünglichen Argumentation, es fehle zukünftig an Schulplätzen an Gymnasien zweifelt die GEW an, dass diese durch eine Privatschule gesättigt werden können. Bereits bestehende private Gymnasien spielen keine Rolle bei den Verteilerkonferenzen. Die Stadt hat somit gar keinen Einfluss darauf, dass sie Schüler*innen auf diese Schulen verteilen kann.